Wenn sie die Familie ernährt

Seit 2010 werden nun auch Haushalte erfasst, in denen Frauen die Brötchen verdienen. Das Resultat: 2017 war in Deutschland in jedem siebten Haushalt die Frau die Haupternährerin. Was ein großer Erfolg ist, kann aber zum Sprengsatz am Küchentisch werden. Denn nicht jeder Mann fühlt sich wohl in der neuen Rolle als „Hausmann“ oder „Wenig-Verdiener“.

„Schatz, können wir die Rollen tauschen?“, fragte ich meinen Mann. Ich wollte mich dem Launch unseres Magazins OW up! widmen und mit meiner Geschäftspartnerin ein Unternehmen aufbauen, dafür brauchte ich vor allem eines: Zeit. Das war etwas, was ich in den letzten Jahren nicht viel hatte. Unser Kind war damals sechs Jahre alt und aus dem Gröbsten raus, trotzdem war mit Haushalt, Kind und Mental Load nicht mehr als 25 Wochenstunden Arbeitszeit für mich drin, mit hängender Zunge auch mal 30. Für ein Start-up reichte das nicht, daher mein Wunsch: Lass uns die Rollen tauschen.

Mein Mann war hellauf begeistert. Er wollte sich beruflich neu orientieren, eine Ausbildung zum Coach und Psychotherapeutischen Heilpraktiker machen und auch ihm fehlt in seinem Fulltime-Job in der Gastronomie vor allem eines: Zeit. Wir versuchten so viel wie möglich im Vorfeld zu klären: Er bekam von mir einen festen monatlichen Betrag für sich und ich übernahm alle Kosten für die Familie, dafür war er nun für Kind und Kegel zuständig. So weit, so gut. Dachten wir. Denn die Herausforderungen kamen noch.

Eine Herausforderung für die Partnerschaft

So wie uns geht es inzwischen vielen Familien. Laut Mikrozensus 2017 des Statistischen Bundesamtes ist in jedem siebten deutschen Haushalt die Frau die Brötchenverdienerin. Das bringt einige Schwierigkeiten mit sich, denn während das alte Rollenmodel klar war: Er verdient – und sie ein bisschen dazu, gibt es für das neue Modell kaum Vorbilder.

Auf meine Frage, wie das andere Frauen machen, meldet sich Marie bei mir. Sie arbeitet als Übersetzerin. Ihr Partner ist aus England nach Deutschland gezogen und auf Jobsuche. Marie verdient das Familieneinkommen – die Care-Arbeit bleibt trotzdem fast vollständig an ihr hängen. „Ich sollte mich um Kind und Haushalt kümmern, durfte ihn dann ab und an um Unterstützung bitten“, erzählt sie vom Alltag. „Seine Arbeit ging vor, obwohl sie nicht bezahlt war.“ Sie musste das Einkommen somit in Teilzeit verdienen, „obwohl ich mehr hätte arbeiten können“.

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.