Verschwörungstheorien: Sorry, ich verstehe Dich nicht mehr

Nachdem die Corona-Krise anfangs zu einem starken Wir-Gefühl geführt hat und es ganz viel gegenseitige Unterstützung gegeben hat, zerbröselt nun das Verständnis füreinander. Es gibt „Hygiene-Demos“, die Phalanx der „Erwachten”, es gibt Angst vor Impfzwang und vor Bill Gates, der angeblich die Weltherrschaft anstrebt. Facebook und Social Media sind zum Schlachtfeld für Verschwörungstheorien geworden, auf dem sogar Freundschaften zerbrechen. Wir haben mit Coach Yasemin Focali gesprochen, ob das normal ist nach zwei Monaten Krise? Und vor allem: Wie man damit umgehen?

Liebe Yasemin, auf Facebook & Co geht’s ab. Alle scheinen durchzudrehen, posten wilde Theorien, Influencer*innen schwenken darauf ein, der Ton wird rauer, das Miteinander auch. Ist das normal in Woche 8 der Krise?

Vorneweg: Die Zeit mit Corona hat sowohl zu einem kollektiven als auch persönlichen Kontrollverlust geführt, was eine beunruhigende Erfahrung ist. Normalerweise versuchen wir dauerhaft das Leben und unsere Umwelt zu kontrollieren, zu planen und vorhersehbar zu machen. Die Erfahrung mit dem Virus hat genau das Gegenteil gebracht: Alle Pläne sind zunichte gemacht worden, sei es von sportlichen Großveranstaltungen und Kongressen bis zu ganz individuellen Reiseplänen und Festen. Das Ganze hat ein bisher unvorstellbares Ausmaß angenommen – und die Auswirkungen sind weiterhin unberechenbar.

Zeitgleich kommt es nun zu einer Diskrepanz zwischen dem, was wir in den Medien sehen bzw. lesen und unserer eigenen Wahrnehmung. Der Virus ist nicht sichtbar und auf der Straße laufen keine Sterbenden herum. Zusätzlich kommt es zu einer Ermüdungserscheinung und einem Abstumpfen gegenüber diesen Katastrophenmeldungen. Das kann zu Abwehrreaktionen und unvernünftigen Handlungen führen.

Wer während des Lockdowns in einer gestressten, psychischen Verfassung war, hat vorsichtig und umsichtig gehandelt, doch nun kommt aus den Sozialen Netzwerken eine Idee, Theorie oder Handlungsanleitung, die einfache und verständliche Lösungen verspricht. Jetzt sind diese Menschen leichter geneigt infolge des Ermüdens, dem zu folgen und zu rebellieren.

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.