Lernen von Männer: Diese Hose war immer schon verschnitten

Männer strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Auch was ihren Alabasterkörper angeht. Chefredakteurin Tina Molin hat bei ihrem Mann ein gutes Beispiel von Selbstliebe und Body Positivity erlebt. Nun will sie nur noch eines: Lernen von den Besten.

Ich stehe vor dem Spiegel und mustere mich kritisch. Diese Mom-Jeans sitzt klasse. Ich befinde mich in einem Second-Hand-Laden in Sydney und beäuge mich von allen Seiten. Das gute Stück ist von Levi`s aus den 70ern, das helle Denim geht bis hoch in die Taille und macht einen fantastischen Po. Doch ich muss den Bauch einziehen und sehr gerade stehe, doch dann ist sie perfekt.

Was für ein Selbstbewusstsein

„Du siehst hammermäßig aus“, sagt mein Mann. „Macht einen klasse Po“, ergänzt er anerkennend. Aber ich muss den Bauch einziehen, denke ich. Seit der Geburt unserer Tochter ist der nicht mehr so flach und ein paar Kilo mehr sind auch drauf. Wenn ich mich mit der Mom-Jeans hinsetze, wird’s eng werden. Ob ich dann den obersten Knopf öffnen muss, um Luft zu kriegen?, frage ich mich gerade, als mein Blick auf die Camouflage-Shorts meines Mannes fällt.

Zum ersten Mal überhaupt checke ich, dass der oberste Knopf seiner Hose offen ist und das gute Stück von einem Gürtel zusammengehalten wird. „Du kriegst Deine Hose nicht zu“, frage ich verdattert. „Ja, die war von Anfang an schlecht geschnitten!“ Was für ein Selbstbewusstsein, denke ich mir. Und eine Mischung aus Neid und Anerkennung durchfährt mich. Nicht er oder sein (kaum vorhandener) Bauch sind die Ursache, sondern die Hose! Ganz klar.

Warum habe ich diese Extra-Portion Selbstbewusstsein nicht bekommen? Ihr kennt vielleicht den Witz „Gott fragt Adam und Eva: „Ich habe noch zwei tolle Eigenschaften zu vergeben. Wer will die Erste haben?“ „Ich, ich, ich“, schreit Adam. „Gut, dann bekommst du im Stehen pinkeln“, sagt Gott. „Multiple Orgasmen gehen dann an die Frau.“ Was wenn Gott statt im Stehen pinkeln Selbstbewusstsein verschenkt hätte?, frage ich mich.

Männer haben Cellulite

Am nächsten Tag beschließe ich meine Feldforschung auszuweiten. Seit einiger Zeit mustere ich Frauen am Strand und in der Sauna. Mir tut das gut, zu sehen, wie groß die Vielfalt an weiblichen Körpern ist und noch etwas labt mein Herz: Mir ist nie, nie, niemals auch nur eine Frau zwischen Sydney und St. Wolfgang untergekommen, die einen Körper wie ein Cover-Model gehabt hätte. Ich beobachte also nun Männer und stelle fest: Cellulite am Po, Haare am Rücken, dicke Bäuche – und trotzdem sehr viel Selbstbewusstsein. Während Frauen ihre Rundungen in Badeanzügen verstecken oder ein Strandtuch umlegen, wird bei den Herren der Schöpfung nichts mit einem T-Shirt kaschiert.

Für mich gilt nun: Lernen von den Besten. Immerhin propagieren das doch alle Coaches, Therapeut*innen und Gurus! Die Levi’s bleibt im Second-Hand-Laden. Im letzten Jahrtausend waren die Schnitte einfach zu übel. Und demnächst probiere ich eine Mom-Jeans mit viel Elastan, die sind dann hoffentlich nicht so verschnitten wie die alten Modelle ;)

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.