Corona als Chance: Mit Hingabe Vertrauen ins Leben finden

Akzeptanz der Situation ist eine Sache. Hingabe eine völlig andere. Die erfolgreiche Coach Heidemarie Weng übt sich in der Krisenzeit in Hingabe. Sie gibt sich der Unsicherheit hin und erlaubt sich ihr scheinbares „Nichts-Tun“ nicht als Faulheit, sondern als Besonnenheit und Hingabe zu erleben. So lernt sie ganz viel für ihr Leben und ihr Business.

Als die Corona-Zeit zur Krise wurde, habe ich mich wieder etwas mehr mit Achtsamkeit beschäftigt. Bereits die Anfänge mit Corona in China empfand ich persönlich als eine Zeit des Verlustes, unter anderem, weil ich mich sehr auf eine Reise nach Shenzhen gefreut hatte. Wohin das führen würde, davon hatte ich natürlich keine Vorstellung. In der Folge ging es mir wie vielen: Ich verlor direkte, persönliche Kontakte, verzichtete auf freudige Ereignisse, Feste, Reisen, gab Pläne auf, nahm Entbehrungen hin. Verschiedene Gefühle haben mich überkommen, manchmal zeitversetzt, manchmal alle auf einmal. Traurigkeit, Schmerz, Existenzangst, Sorge um Mitmenschen, Wut auf die Situation, die ausgerechnet jetzt genauso sein musste. Wie bei vielen anderen stagniert meine berufliche Lage, dazu kommt Unsicherheit, wie die Zukunft aussehen wird. Das unmittelbarste Gefühl war der Kontrollverlust. Planung und Kontrolle geben mir Sicherheit, Corona nimmt mir beides weg.

Schon 1000 Mal gehört: die Hingabe

Achtsamkeit ist für mich eine Konstante, die mir besonders in schwierigen Phasen dabei hilft, in der Gegenwart zu sein und mich nicht in Gedankenspiralen über die Vergangenheit oder Zukunft zu verstricken. Beim Lesen stieß ich auf den Begriff „Hingabe“. Obwohl ich das Wort schon 1000 Mal gehört habe, ist dieses Mal etwas passiert: Es hat etwas in mir berührt. Ausnahmsweise ging es mal nicht um Akzeptanz – ein inzwischen viel verwendeter, für mich schon etwas ausgelutschter Begriff.

Die „Hingabe“ ist der Akzeptanz ähnlich und ebenso das Gegenteil von Kontrolle. Hingabe gehört jedoch zu den weiblichen Prinzipien wie Empfangen, Intuition und Passivität. Ein hingebungsvoller Mensch ist jemand, der etwas voll und ganz tut, wenn auch mit der Gefahr  oder dem Schattenaspekte, sich dabei aufzugeben und aufzuopfern. Immer wieder sind wir im Leben mit Dingen konfrontiert, die wir nicht ändern können. Bei Corona ist das Gefühl des Kontrollverlustes besonders hoch, doch mir hilft da ein Gedanke: Das Leben existiert seit Jahrmillionen und erschafft Unglaubliches. Wer bin ich, dass ich annehme, ich könnte mein Leben kontrollieren? Worauf ich aber immer Einfluss habe: Die Art und Weise, wie ich über etwas denke und mich verhalte.

Hingabe ist eine Entscheidung

Das führt mich zurück zur Hingabe. Im Moment finde ich Sicherheit nur an einem Ort: in mir selbst. Mir wurde klar, dass Hingabe in allererster Linie eine Entscheidung ist. Ihre drei Eigenschaften sind Vertrauen, Loslassen und Erlaubnis. Hingabe heißt für mich, meinen Verstand leiser zu drehen und zu schauen, wo das Leben mich hinschickt.

Seit meiner Entscheidung für die Hingabe, übe ich mich im Vertrauen. Ich versuche, Corona als eine Übung zu begreifen, in Demut für das, was ich habe und dem Verzicht auf das, was ich will oder glaube zu brauchen. Eine Übung, genau hinzuhören und zu spüren. Es ist die Gelegenheit, meine Werte zu überprüfen und eine Standortbestimmung vorzunehmen. Bin ich im Moment in meinem Leben, wo ich sein möchte? Wenn ja, was hat mich dorthin gebracht? Wie habe ich es immer wieder geschafft, meine Talente und Fähigkeiten so einzusetzen, dass sie mich weitergebracht haben? Und wenn nicht, was möchte ich in Zukunft ändern?

Der schwerste Teil der Hingabe

Ich lasse los, dass ich gerade jetzt mit Willen und Disziplin wenig erreichen kann. Deshalb halte ich weitgehend die Füße still, was mir oft schwerfällt (Ich bin Sternzeichen Zwillinge und immer on the road …). Ich beschäftige mich mit Basisarbeiten in meinem Business, sowie Dingen und Menschen, die mir Freude machen. Es ist ungewohnt, nur über das Handy oder Videochat Kontakt zu halten. Andererseits macht es mich auch sensibel für die Intensität, die ich im Alltag schon gar nicht mehr wahrnehme, weil sie ständig da ist. Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich meine Familie und Freund*innen wieder gefahrlos umarmen kann.

Der schwerste Teil an der Hingabe ist für mich die Erlaubnis. Mir selbst die Erlaubnis zu geben, nicht ständig aktiv sein zu müssen. Die Erlaubnis, mein scheinbares „Nichts-Tun“ meinem inneren Kritiker gegenüber nicht als Faulheit, sondern als Besonnenheit und Hingabe zu bezeichnen. Die Erlaubnis, diese Situation auszuhalten, ohne ständig Plan A, B oder C gegeneinander abzuwägen. Die Erlaubnis, nicht in planlosen Aktionismus zu verfallen, der momentan sowieso schnell verpufft. Mir stattdessen zu erlauben, diese schwierige Zeit bewusst zu erleben, mir Ruhe zu gönnen und sanft zu schauen, welche Spur sich für die Zukunft abzeichnet.

Hingabe als persönlicher Gewinn

Denn die Hingabe verlangt, etwas voll und ganz zu tun und den Moment bewusst wahrzunehmen. Was mein persönlicher Gewinn ist, das kann ich bereits jetzt erahnen. Mehr Zeit für wichtige Dinge. Prioritäten neu setzen. Intensive quality time mit meinen Kindern. Tiefe Gespräche über das Wesentliche. Frieden schließen mit Ereignissen der Vergangenheit. Die Entdeckung unerfüllter Wünsche. Und Zukunftsträume. Und die Gewissheit, dass wir in Zeiten von physical distancing besonders spüren, wie verbunden wir alle miteinander sind.

PR

Über die Autorin

Heidemarie Weng

Von Literaturwissenschaft und Philosophie führte ihr Weg über Public Relations und Marketing in die Finanzbranche. Als langjährige Führungskraft sammelte Heidemarie Weng viel Wissen und Erfahrung für ihre jetzige Tätigkeit als Personal Coach und Business Trainer. In Unternehmen begleitet sie Mitarbeiter*innen und Führungskräfte dabei, ihre Kommunikation wertschätzend und erfolgreich zu gestalten, der Förderung der Resilienz und der Burnout-Prävention. Als strategische Markenberaterin unterstützt sie Selbständige und Gründer*innen bei der Entwicklung und Schärfung ihres Markenprofils. Hier geht’s zur Webseite von Heidemarie Weng.