„Be a Lady They Said"-Video mit Cynthia Nixon: Nicht nur Männer haben Schuld

Die Worte von Cynthia Nixon berühren gerade sehr viele Frauen. Das Video „Be a Lady They Said“ zeigt welchen Widersprüchlichkeiten und welchem Druck Frauen und Mädchen täglich ausgesetzt sind. Reflexartig heißt es jetzt: Männer, hört genau zu! Doch ich finde, nicht Männer sind das Problem, sondern Menschen.

„Look sexy. Look hot. Don’t be so provocative“, sagt Schauspielerin Cynthia Nixon in einem Video für das „Girls.Girls.Girls Magazine“. Als die Macherinnen das Video hochluden, schrieben sie nur: „Wir schauen, was passiert…“ Und so einiges passierte. Das Video ging binnen kürzester Zeit viral, seit einigen Tagen überschwemmt es die sozialen Medien und wird immer noch wie wild geteilt. Keine Frage, es trifft einen Nerv! Doch immer wieder wird der Clip mit den Worten versehen: Männer, bitte zuhören!

Doch ich finde nicht, dass Männer das Problem sind, sondern Menschen. „Save yourself. Be pure. Don't be a whore. Don't sleep around. Men don't like sluts“, spricht Cynthia Nixon. Diese Sätze habe ich schon so oft gehört: von meiner Mutter, meinen Tanten, Großmüttern und sogar Freundinnen. Es ist kein Problem von Männern und Medien, sondern von Menschen.

Schluss mit der Besserwisserei

Auch ich habe solche Sätze schon gesprochen. Natürlich nur mit den besten Absichten. Ich wollte beschützen oder helfen. Doch eigentlich habe ich bevormundet. Ich habe mich über die Frau gestellt und ihr die Welt erklärt. Meine Welt. Dabei war ich wahrscheinlich weder beschützend noch hilfreich, sondern nur eines: von oben herab. Ganz nach dem Motto: Hey Honey, ich weiß, wo der Hase lang läuft und Du nicht.

Doch wer bin ich, mich in die Integrität der anderen einzumischen? Ich habe nie ein volles Bild der Person und nur eine sehr beschränkte Sicht auf die Dinge. Selbst wenn es meine beste Freundin ist. Nur die andere ist die Expertin für ihr Leben und kann die für sich beste Entscheidung treffen.

Runter vom hohen Ross

Wieso maße ich mir also an, für sie zu sprechen? Woher will ich wissen, wie viel Lieberhaber*innen für sie zu viel oder zu wenige? Und ob pur für sie besser als wild ist? Das ist eine Frage des Charakters und manchmal auch bloß eine Frage der Lebensphase oder Lebenslage. Und da stecke ich nun mal nicht drin.

Das eigentliche Problem ist also ein ganz menschliches: das Urteilen, das Beurteilen, das Bevormunden und das Richten. Wie wäre es, wenn wir das allesamt stoppen würden? Wenn wir jede so sein lassen, wie sie ist. Genauso wie sie sein will und wie sie sich gerade fühlt. Wenn wir nicht beurteilen, nicht lästern, niemand in Schubladen stecken und keine Weisheiten mehr von uns geben würden, sondern stattdessen lieber zuhören, unterstützen und anfeuern?

Dann würden wir alle ganz andere Sätzen sagen und hören: Ich freue mich, dass Du Dich in dem kurzen Rock so wohl fühlst. Schön, wie Dich das Leben ohne BH befreit. Toll, wie Dich das Single-Dasein strahlen lässt. Ich freue mich, dass Du Dich in Deiner Haut wohlfühlst (egal ob Size Zero oder Plus Size). Wenn es für Dich okay ist, Dich aufzuheben, ist es das für mich auch. Wenn Du Dich wild fühlst, go for it! Und am Ende bitte alle: Ich finde, Du bist toll, so wie Du bist!

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.