Wie will ich nach Corona leben? Mit einer Vision Quest Antworten finden

Vera Griebert-Schröder ist eine moderne Schamanin. Für ihre Klient*innen hat sie eine urbane Vision Quest entwickelt, womit man große (und kleine) Fragen ans Leben beantworten kann. Die Auszeit während der Corona-Krise bietet die Möglichkeit diese nun durchzuführen. Vera erklärt, wie die Visionssuche geht und wo die Fallstricke sind.

Liebe Vera, kaum war der Lockdown da, haben viele Menschen angefangen, ihre Kleiderschränke auszumisten und ihre Wohnung zu entrümpeln. Entspricht das nicht schon dem Reinigungsritual vor einem Vision Quest?

Ist es nicht richtig großartig, wie die Menschen ihren Instinkten trauen können? Abgeschieden von der Außenwelt beginnen sie sich auf das Wesentlich zu konzentrieren: ihre unmittelbare Umgebung, die Wohnung und den Keller. Wie bei einer Visionssuche ordnen sie ihre Dinge, sichten und entsorgen Altes und Unnötiges und schaffen so eine Art Harmonie in ihrem Inneren. Der Aufbruch in Neuland beinhaltet immer auch die Frage nach dem, was man zurücklassen möchte. Genauso wie nach dem, womit man noch seinen Frieden machen möchte. Daher stellen sich viele die Fragen: Was hat Bestand? Was ist wichtig und was kann ich weiterentwickeln? Auf diese Weise entsteht eine Bestandsaufnahme oder auch Standortbestimmung, um sich danach etwas Neuem zu öffnen.

Kannst Du kurz erklären, was bei indigenen Kulturen eine Vision Quest ist?

Es sind Einweihungsrituale, die man weltweit in Stammeskulturen antrifft. Etwa als Heilende, die durch die Auseinandersetzung mit der wilden Natur tief in sich gehen oder auch in die Anbindung in ein großes Ganzes, um zum Beispiel als Schamane initiiert zu werden. Aber auch Initiationsrituale, die zum Beispiel einen jungen Menschen zum Übertritt in die Welt der Erwachsenen befähigen.

Die Vision Quest ist ein intensives Ritual der Einsamkeit und der Entbehrung, eine Konfrontation mit allem, was sich während dieser Zeit in der Natur und im eigenen Inneren zeigt. Oft gehört die Auseinandersetzung mit dem Tod ebenfalls dazu. Sie stellt so etwas wie einen Point of no Return dar. Die dort erhaltene Vision justiert die Weichen neu und gibt dem Leben eine veränderte Ausrichtung. Der Rat der geistigen Welt, der sich in Form eines Traumes, einer plötzlichen Intuition oder, weniger greifbar, in einer inneren Wandlung zeigen kann, macht den Suchenden zu einem anderen Menschen. Denn eine Vision gibt Orientierung. Sie zeigt wie eine Kompassnadel in eine Richtung und lockt uns aus weiter Ferne auf etwas Lohnendes zu. In diesem Sinne kann uns eine Vision durchs ganze Leben tragen oder zumindest durch eine Lebensphase. Sie leuchtet vor uns wie ein Stern.

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.