Free Bleeding – wieso ich die Regel einfach laufen lasse

Weg mit den ganzen fragwürdigen Verhütungsmitteln und irgendwie auch mit den Hygieneartikeln für die Frau – das dachte sich Babette, setzte die Pille ab und warf Tampons und Menstruationstasse über Bord. Seitdem praktiziert sie das freie Menstruieren und nimmt ihren Körper ganz anders war.

Seit einem Jahr habe ich wieder meine Regel. Zuvor habe ich hormonell mit einer Spirale verhütet und war sieben Jahre regelfrei. Klingt bequem, ist es irgendwie auch, aber... Das ABER äußerte sich bei mir in einer -Depression, die ich damals natürlich nicht als solche identifizierte. Auffällig jedoch waren meine schwächelnde Libido und immer wiederkehrende Zysten in den Ovarien und Brüsten.

Meine erste Periode nach der langen Pause war gar nicht so schlimm wie befürchtet. Ohne Schmerzen. Nur das mit den Tampons war mir sofort unangenehm. Schon immer brauchte ich nur die „Kleinen", weil ich nie stark blutete, dennoch fühlte es sich immer fremd, trocken und austrocknend an. Außerdem enthalten konventionelle Tampons oftmals Chlor, Dioxine und andere krebserregende Chemikalien, die nichts in der Nähe einer Vagina zu suchen haben. Daher dachte ich über andere Mittel und Wege nach.

Einfach laufen lassen

Die Alternative hätte eine Menstruationstasse sein können, aber dafür blute ich nicht genug und die Tasse war mir auch unangenehm. Daher darf es nun einfach laufen. Ich habe mir antrainiert zu (be)merken, wenn ein „Schwall” Blut sich aus dem Uterus löst. Es ist wie ein Kribbeln. Es ist nicht so, dass das Blut einfach rausfallen würde, die Vaginawand ist etwas geriffelt und das Blut fließt langsam über diese „Stufen” nach unten. Das bedeutet: Ich habe genug Zeit, einfach auf's Klo zu gehen. Ich muss nicht rennen, ich habe ein paar Minuten Zeit und durch das Anspannen des Beckenbodens lässt sich das ganz gut kontrollieren.

Auch nachts muss ich mir keine Sorgen machen, denn beim Liegen entsteht bei mir für gewöhnlich auch kein Blutbad.. Bis jetzt ist jedenfalls noch nie etwas daneben gegangen. Morgens gehe ich sowieso auf die Toilette und beim Pinkeln fließt dann eben auch das Blut der Nacht ab. Ich kann das freie Menstruieren nur jeder Frau empfehlen, die nicht stark blutet. Es ist so befreiend und hat meinem Körper und Zyklus wieder in Einklang gebracht.

Um die Wäsche zu schonen, verwende ich Slip-Einlagen und nur beim Sport, wenn ich Ausgehe oder mal einen wichtigen Termin habe, wo ich ganz „sicher" gehen will, benutze ich Tampons aus Bio-Baumwolle.

No more period-shaming

Lange genug haben sich Frauen für ihre Menstruation geschämt und verschämt die Tampons in der hintersten Ecke des Badezimmers versteckt. Mal ganz abgesehen davon, dass weibliche Intimhygiene mit der Luxussteuer belegt war, Tampons das Toxische Schocksyndrom begünstigen können und die Blutungen in vielen Fällen verlängern, dürfen wir auch einfach aufhören, unsere Körper(flüssigkeiten) als eklig zu betrachten. Die Kultur hat uns beigebracht, der (weiblichen) Natürlichkeit mit einem Naserümpfen zu begegnen. Aber zu dem ganzen feministischen „Freimachen” gehört eben auch, die freundliche Akzeptanz, dass die Hälfte aller Menschen monatlich blutet. Ich für meinen Teil kann sagen, ja, es ist unangenehm, manchmal riecht es etwas intensiver, aber ich freue mich jeden Monat über die roten Tropfen. In diesem Sinne: Happy Bleeding!

Privat

Über die Autorin

Babette

Babette ist Anfang Dreißig, studierte Linguistin, Texterin und Lektorin. Sie schimpft laut über das Patriarchat und liebt die Männer trotzdem. Ein bisschen sorgt sie sich über das Klischee „Single-Frau + Katze", aber schon einen Moment später könnte es ihr egaler nicht sein. Sie ist ein wildes Mädchen und bleibt gerne inkognito.