Unsere Sprachlosigkeit beim Thema Geld hat schlimme Folgen

Gisela Enders ist Reichtumscoach. Sie findet, dass wir viel mehr über Geld reden müssen. Damit wir unser erlerntes Geldverhalten aus unserer Kindheit korrigieren können und um im Gespräch auszuprobieren, wie es sich anfühlt, reich sein.

Viele Menschen fühlen sich bei Geldfragen nicht wohl. Der oder die Bankberaterin weiß definitiv mehr und erklärt es auch noch in Worten, die man nicht richtig versteht. Im Freundeskreis wird selten über Geld gesprochen und in der Familie war (und ist) es oft ein Tabuthema. Wenn Geld mal zur Sprache kommt, dann wird meistens darüber gejammert, dass zu wenig davon da ist.

Blinde Flecken beim Thema Geld

Doch eigentlich ist das mit dem Reichtum ganz einfach: Man braucht mehr Einkommen als Ausgaben und muss den Überschuss gut investieren. Am besten in eine der fünf Grundformen, die es bei der Geldanlage gibt: Tagesgeld für das Notfallgeld, was schnell verfügbar ist. Aktien, Anleihen und Rohstoffe für die mittel- bis langfristige Geldanlage und Immobilien für die langfristige Geldanlage (einfach, weil sich Immobilien nicht ganz so schnell verkaufen lassen). Fertig!

Klingt einfach, ist es aber leider nicht, denn ganz viele Menschen scheitern auf ihrem Weg zum Reichtum. Was es genau schwierig macht, ist natürlich unterschiedlich. Doch gerade in Sachen Geld verfügen wir alle über sehr viele blinde Flecken. Ein Grund liegt wie gesagt darin, dass wir zu selten über Geld reden. In mein Coaching kommen beispielsweise auch sehr viele vermögende Frauen – oft haben sie kürzlich geerbt. Als Erbinnen verfügen sie noch nicht lange über große Summen Geld undhaben niemanden, mit dem sie darüber reden können.

Geld-Möglichkeiten durchspielen können

In seltenen Fällen bespricht man mit Freundinnen  die Frage, wie man mit seinem Vermögen umgehen soll. Dass man ratlos ist und die Frage, was jetzt passieren soll, Bauchschmerzen verursacht. Warum ich gerade das Beispiel einer Erbin wähle? Weil es sich selbst hier zeigt, wie wichtig es ist, über Geld reden zu können. Wir brauchen die Möglichkeiten offen darüber zu sprechen, um Ideen der Lebensveränderung durchzuspielen, einige davon zu verwerfen und andere zu verfolgen. Für einen Moment in eine Vision schlüpfen zu können, um Ängste anzuschauen oder Investitionsideen auf Chancen und Risiken zu überprüfen.

Die Sprachlosigkeit hat in jedem Fall Folgen

Ob mit oder ohne Geld, wir bekommen nicht die Gelegenheit unser „normales“ Geldverhalten und unsere Gefühle rund ums Geld zu überprüfen. Denn das, was wir als „normal“ empfinden, ist veränderbar. Nur weil die eigene Familie mit der Normalität aufgewachsen ist, dass sie immer arm sein wird, heißt das nicht, dass diese „Normalität“ für immer gelten muss. Nur weil man gelernt hat, dass man sein ganzes Gehalt ausgeben muss, heißt das nicht, dass das zwangsläufig so bleiben muss.

Und damit komme ich auch gleich zu einer ersten Reflektionsübung: Was ist für dich in Bezug auf Geld normal?

Was ist für dich ein normales Einkommen?  Bitte notiere vor dem Weiterlesen unbedingt eine Zahl auf einem Blatt Papier!

Hänge an die erste Zahl, die du hier notiert hast, mal testweise eine 0 am Ende an. Also zehnmal so viel. Wie fühlt sich das an? Ist das auch noch normal? Was kommen dir für Gedanken und Gefühle?

Ich bin sicher, ich habe gerade Deine „Normalität“ in Frage gestellt. Aber wir können noch weitergehen:

Wie hältst du es mit deiner Normalität in Bezug auf Geld verdienen? Wie viel hast du verdient? Wie viel bist du wert? Und wie hart oder leicht darf es sein, an Geld zu kommen?

Wie ist Dein Selbstbild in Bezug auf reiche Menschen? Gehörst du dazu oder bewegen  sich vermögende Leute in einem anderen Universum? Gibt es eine Sehnsucht dazuzugehören oder eher ein ablehnendes Gefühl?

Geld spiegelt den eigenen Selbstwert

Die jeweils unterschiedlichen Antworten auf diese Fragen haben einen Einfluss auf den Umgang mit Geld. In vielen Fällen spiegeln sie auch den eigenen Selbstwert wider. Der verknüpft sich gerne mit Geld. Wie viel sind wir wert, was haben wir verdient, wie viel dürfen wir verlangen? Das sind alles Fragen, die sich alleine schon in der Wortwahl mit Geld oder eben mit dem eigenen Wert lesen und wahrnehmen lassen.

Wer bei den diesen Sätzen mehr den Selbstwert herausliest, braucht nach meiner Erfahrung erst einmal ein gutes Selbstwertgefühl, um viel Geld zu besitzen. Andere wiederum lesen die Sätze ausschließlich auf Geld bezogen, die Verknüpfung zum eigenen Selbstwert kommt ihnen gar nicht. Für sie spielt bei Verhandlungen der eigene Wert entsprechend keine Rolle, sondern maximal die Leistung. Oder auch nur die Freude an Verhandlungen, die Freude zu gewinnen. So unterschiedlich kann der Umgang mit Geld sein.

Die Einstellung zum Geld nachbessern

Vieles, was wir in Sachen Geld unbewusst gelernt haben, stammt aus der Kindheit. Einfach, weil wir in der Kindheit unglaublich viel lernen. Wir schauen sehr genau, was unser Umfeld macht und kopieren ganz viel. Nicht nur in Bezug auf Geld. Auf alles. Lernen funktioniert so. Bei vielen anderen Themen wie beispielsweise Ernährung oder der Umgang mit Menschen korrigieren wir das Gelernte im Laufe unseres Lebens, weil wir mit anderen Menschen über das ursprünglich Gelernte reden und dann möglicherweise nachbessern.

Meine Ernährung sieht heute komplett anders aus als in den 70iger Jahren, in denen ich bei meiner Mutter in den Kochtopf geschaut habe. Beim Geld ist das oft nicht so. Weil wir nicht über Geld reden und damit auch nicht die Gelegenheit haben, ursprünglich Gelerntes zu hinterfragen und zu verändern. In meinem nächsten Beitrag wird es dementsprechend nochmal deutlich mehr um die Kindheit gehen.

Über die Autorin

Gisela Enders

Sie ist Reichtumscoach, Trainerin und Autorin. Seit über zehn Jahren widmet sich Gisela Enders in Kursen, Vorträgen, Workshops und Coachings dem Thema Geld. Von „Geldbildung" über „Erfüllt Erben" bis zum „Aktienkurs". Für Frauen, die in das Finanzthema einsteigen wollen, empfiehlt sich ihr Buch „Bau Dir Dein Grundeinkommen”. Und jeden Monatsanfang bietet sie den kostenlosen Kurs „Geld & Erfolg“ an. Hier geht’s zur Webseite von Gisela Enders.