Mamaaaaaa: So klappt Homeoffice mit Kind – ohne die Nerven zu verlieren

Schulschließung! Berufstätigen Eltern steht eine extrem herausfordernde Zeit bevor. Denn Homeoffice, während die Kids zu Hause betreut werden müsse, ist für viele eine Albtraum-Vorstellung. Luisa Hanke vom Vereinbarkeitslab teilt ihre Tricks und Tipps, damit es mit dem Zuhause arbeiten klappt – ohne die Nerven zu verlieren.

Ich selbst bin seit sieben Jahren alleinerziehende Mutter. Als meine Tochter sechs Monate alt war, habe ich angefangen zu studieren. Später habe ich sowohl in Festanstellung als auch in der Selbstständigkeit viel im Homeoffice gearbeitet Heute komme ich im Schnitt auf 5-6 Stunden Arbeit am Tag und schaffe mit dem richtigen Zeitmanagement manchmal mehr als an einem ganzen Tag im Büro - auch wenn meine Tochter zu Hause ist.

Mit dem Vereinbarkeits LAB unterstütze ich in den kommenden Wochen in einer eigens dafür gegründeten Facebook-Gruppe berufstätige Eltern bei ihren Herausforderungen mit Kinderbetreuung und Homeoffice. Ziel ist es, möglichst strukturiert und mit starken Nerven durch diese Zeit zu kommen. Die folgenden Tipps helfen jetzt schon dabei, einen ersten Notfallplan für Betreuung und Arbeit im Homeoffice zu entwerfen:

1) Mein Notfallplan:

Wer betreut wann das Kind und wer arbeitet in dieser Zeit? Ich möchte alle Eltern, die das Privileg haben eine*n Partner*in an ihrer Seite zu haben, dazu ermutigen, sich in dieser Zeit partnerschaftlich unter die Arme zu greifen und sich Kinderbetreuung und Hausarbeit fair aufzuteilen. Das Corona-Virus kann nicht ein zusätzlicher Nachteil für Mütter auf dem Arbeitsmarkt werden, indem nur sie zu Hause bleiben.

Um eine gute Übersicht über die kommenden Tage zu erhalten, mache ich mir einen Wochenplan. In die erste Spalte trage ich die Schlafens- und Ruhezeiten der Kids ein. In die zweite Spalte kommt, wann der*die Partner*in und in die dritte Spalte, wann ich selbst die Betreuung übernehmen kann. Zuletzt schreibe ich in die vierte Spalte, ob eine dritte Person die Betreuung übernehmen kann und wann und wie lange ich Hörspiel- und Fernsehzeiten nutzen will, um zusätzliche Arbeitszeit zu haben. Wenn meine Tochter zu Hause ist, während ich arbeite, hört sie beim Spielen häufig Hörspiele und darf in dringenden Fällen 1,5 – 2 Stunden einen Film oder Serien schauen.

Ich bereit mich darauf vor, fragmentiert zu arbeiten, also in verschiedenen kleineren Zeitfenstern über den Tag verteilt, je nachdem, wie es die individuelle Situation zulässt. Wichtig: Die kurzen Zeiteinheiten wirklich als effektive Arbeitszeit schätzen lernen.

2) Finde dein ganz individuelles Modell

Wenn ich alle Spalten ausgefüllt habe, schaue ich, wie ich die Arbeitsbelastung aufgeteilt bekomme: Welche Tageszeiten kann ich jeweils gut zum Arbeiten nutzen? Wann habe ich Fokusarbeitszeiten, wo ich hoch konzentriert arbeiten kann und wann ist das Unterbrechungsrisiko höher?

  • Je jünger die Kids, desto mehr würde ich versuchen, ungestörte Arbeitszeit herauszuschlagen, notfalls früh morgens oder am Abend. Wenn ich um 5 Uhr morgens mit einem Kaffee und im Schlafanzug am Schreibtisch sitze, komme ich meist auf drei ungestörte Arbeitsstunden und freue mich dann auf meine erste Kuschel- und Frühstückspause.
  • Wenn es am Morgen gar nicht funktioniert zu arbeiten, dann ist vielleicht der Abend eine bessere Zeit dafür? Als ich studiert habe und meine Tochter noch klein war, ist sie früh eingeschlafen, daher habe ich jeden Abend von 20 bis 23 Uhr meine Hausarbeiten geschrieben und diese ungestörte Arbeitszeit sehr genossen. Das Geheimnis im Vorankommen liegt darin, konsequent jeden Tag daran zu arbeiten, selbst wenn nur für eine kurze Zeit.

3) Unterstützt euch gegenseitig

  • Ist die Betreuung mit deinem Partner*instundenweise oder tageweise aufgeteilt? Die erste Option bezieht sich darauf, dass beide täglich verkürzt arbeiten: also z. B. ein Elternteil vormittags 5 Stunden und der andere nachmittags 5 Stunden? Die zweite Option würde bedeuten, dass jeweils ein Elternteil abwechselnd einen vollen Tag die Kinder betreut. So kannst jede*r  jeweils einen Tag voll durcharbeiten und am anderen Tag der andere Elternteil. Eventuell gilt noch der Samstag als halber Arbeitstag mit dazu, um auf vertragliche Wochenstunden zu kommen, wenn das deine Priorität ist. Ansonsten kannst du auch mit den Arbeitgeber*innen besprechen, Minusstunden aufzubauen. Schaue, was für dich am besten ist.
  • Wenn keine Partner*innen da sind, die unterstützen und die Kids doch schon um 6:30 Uhr zu an den Schreibtisch marschieren, reicht es erstmal sie zu begrüßen und zu kuscheln, aber am Rechner sitzen zu bleiben, sodass  zumindest der aktuelle Arbeitsschritt in Ruhe beendet werden kann.
  • Ich weiß, es ist verdammt hart für Alleinerziehende! Mentale Stärke und Entspannung zwischendurch sind jetzt wichtiger denn je – und all das wegzulassen, was gerade keine Priorität hat. Aber mit verkürzten Arbeitsstunden kann es klappen.

4) Vorbereitung ist die halbe Miete

a) So strukturiere ich meine Arbeit

Ich plane meinen Arbeitstag und vor allem meine To-Dos am Abend vorher, das dauert nicht länger als zehn Minuten. Ich schreibe mir also eine Liste mit allen To Dos auf. Die ist meist hoffnungslos zu lang. Also setze ich Prioritäten. Das funktioniert für mich am besten mit dem Eisenhower-Prinzip. Diese Methode hilft mir, ganz schnell alle To Dos nach Wichtigkeit in vier Kategorien zu unterteilen: Als Erstes notiere ich, was dringend erledigt werden muss oder eine naheliegende Deadline hat. Als Zweites schaue ich, was wichtig, aber nicht dringend ist und setze einen Termin dafür fest, wann es erledigt werden muss. An dritter Stelle schreibe ich all die Aufgaben auf, die delegiert werden können. An vierte Stelle kommen die Dinge, die unwichtig sind und ergo weggelassen werden.

Wenn ich alle To Dos aufgeschrieben und priorisiert habe, dann muss ich mich am nächsten Tag, sobald ich meine erste Arbeitseinheit habe, nur noch hinsetzen und konsequent abarbeiten, was ansteht. Das spart mir enorm viel Zeit und hilft mir dabei, fokussiert zu bleiben.

b) Vorbereitung Kinder: Snacks, Getränke, Spielsachen

Ich arbeite viel, selbst wenn meine Tochter zu Hause ist. Hier hilft es mir, die Spielzeit meiner Tochter gut vorzubereiten: Ich stelle Snacks und Getränke bereit, Spielsachen, Hörspiel, Musik, Kuschelhöhle usw. ich bereite alles vor, was sie braucht oder wo sie nicht selbst rankommt. Je nach Bedürfnis der Kids ist es auch hilfreich, zu schauen, ob sie gerne alleine in ihren Zimmern sind oder sich lieber im gleichen Raum aufhalten. Entsprechend plane ich Ohropax oder Kopfhörer für mich selbst mit ein, damit mich die Spielgeräusche nicht stören.

Je nach Interesse meiner Tochter habe ich schon Bastelstationen am Ende meines Schreibtisches aufgebaut oder ihr einen alten Computer hingestellt, auf dem sie herumtippen kann, um auch Büro zu spielen. Hilfreich für mich ist in solchen Phasen, dass ich mich bewusst dafür entscheide, mich von dem entstehenden Chaos nicht stören zu lassen.

5) Arbeitszeit ist Arbeitszeit – aber es muss nicht alles perfekt laufen

  • Irgendwann kommt der entscheidende Moment, an dem ich mich an den Schreibtisch setze und offiziell anfange zu arbeiten. Es ist okay, wenn meine Tochter ankommt und was von mir will. Gerne höre ich ihr kurz zu, wenn sie mir was erzählen oder zeigen will. Aber ich stehe nur im absoluten Notfall vom Schreibtisch auf. Mittlerweile sage ich ohne schlechtes Gewissen: Ich kann jetzt nicht, ich arbeite, ich nehme mir später dafür Zeit. Dann wende ich mich wieder der Arbeit zu. Auch wenn noch viermal nachgefragt wird, kommt immer wieder die gleiche Antwort: „Jetzt nicht, ich arbeite, später habe ich Zeit dafür“. Meine Tochter hat sich auf diese Art und Weise früh daran gewöhnt, sich selbst zu beschäftigen, auch wenn das einmal bedeutete, dass ich nach meiner Arbeitseinheit eine bunt bemalte Kinderzimmerwand hatte. Unsere Kinder kriegen es hin, auch mal was alleine zu machen. Meine Tochter bekam lange den Arbeitsplatz neben mir und dachte, dass sie meine Assistentin ist und die vielen bunten Bilder für mein Projekt malt.
  • Wenn es doch mal dazu kommt, dass ich vom Schreibtisch aufstehen muss, weil sie sich verletzt hat oder frustriert ist, dann hilft es mir sehr, einmal kurz tief durchzuatmen und Druck abzulassen. Oft denke ich, dass wenn ich von meinen Kindern im Arbeitsfluss unterbrochen werden, ich gar nichts mehr auf die Reihe bekomme und baue Stress auf. Ich weiß, dass mir diese Einstellung nicht weiterhilft: Denn mal ganz ehrlich, wie oft werde ich im Büro von Kolleg*innen angesprochen, checke Mails oder lasse mich vom World Wide Web ablenken? Das ist für mich ganz selbstverständlich und löst keinen Stress aus. Meine Erfahrung ist, dass ich auch gut Aufgaben abarbeiten kann, wenn meine Kids mich unterbrechen, denn ich habe nach jeder Unterbrechung die Möglichkeit, mich trotzdem neu zu fokussieren.

6) Mein Gamechanger: Die Pomodoro Technik

Ein absoluter Gamechanger beim Arbeiten im Homeoffice mit Kind war für mich, als ich anfing die Pomodoro-Methode zu nutzen. Denn ich stellte fest, wie effektiv ich auch in kleinsten Zeiteinheiten arbeiten kann. Die Pomodoro-Methode basiert auf 25 Minuten fokussiert arbeiten und dann 5 Minuten Pause machen. Wichtig ist dabei, die Pause nicht für Handy, Internet und Co. zu nutzen, sondern lieber ein paar tiefe Atemzüge am Fester zu nehmen oder die Schultern kreisen zu lassen, um zu entspannen. Wenn ich schon mit Kind zu Hause arbeite, sind sämtliche anderen Ablenkungen tabu! Nach vier Durchläufen gibt es eine Pause von 15 Minuten.

Je nach Zustand der Kinder kann die Pause hier auch länger sein, 30 Minuten oder eine ganze Stunde zum Mittagessen. Wenn es danach nochmal mit vier kurzen Durchlaufen weitergeht, sind insgesamt schon vier Stunden auf dem Arbeitskonto. Ich finde diese Methode hilft wunderbar dabei, auch mit Kindern zu Hause zu arbeiten. Denn 25 Minuten ist eine Zeiteinheit, in der sich auch kleinere Kinder friedlich beschäftigen können und es fällt mir leichter meine Tochter zu vertrösten und zu sagen: „Gleich in meiner Pause schaue ich mir das an“. Die Pause kann dann auch etwas länger ausfallen, denn vielleicht braucht meine Tochter gerade mal 10 Minuten intensive Aufmerksamkeit. Selbst wenn ich nach nur einem Durchlauf von 25 Minuten für eine längere Phase unterbrochen werde, kann ich mich damit beruhigen, dass sobald wieder Ruhe bei den Kids eintritt, ich wieder strukturiert und voll fokussiert einsteigen kann.

Das Geheimnis liegt darin, kleine Zeiteinheiten wertzuschätzen und zu nutzen und die Arbeitseinheiten, die voller Unterbrechungen sein können, mit Arbeitseinheiten zu kombinieren, in denen wir vollkommen ungestört sind.

7) Last but not Least: Gelassenheit

Je entspannter und gelassener ich in diesem Prozess bin und mit unerwarteten Unterbrechungen umgehe, desto entspannter sind meist auch meine Kids. Schließlich sind Kinder fühlende Wesen und nehmen unsere Energie sehr stark wahr und reagieren darauf: Wenn ich gestresst bin, drehen sie meist noch mehr auf, wenn ich unentschlossen sind, dann fordern sie mich heraus.

Gelassenheit und Konsequenz dabei sein, die Kids einfach mal alleine machen und auch mal warten zu lassen, helfen mir in solchen Phasen am besten weiter. Dafür habe ich außerhalb meiner Arbeitsphasen und in den Pausen, den vollen Fokus auf meine Tochter und kann die gemeinsame Zeit mit kuscheln, lachen und spielen genießen.

Sarah Russ

Über die Autorin

Luisa Hanke

Sie ist Systemischer Personal und Business Coach, Gründerin der Unternehmens- und Elternberatung Vereinbarkeits LAB und alleinerziehende Mutter. Ihr Ziel ist es Unternehmen familienfreundlich zu machen und Eltern dabei zu unterstützen, ihr Leben mit Familie und Beruf erfüllt und erfolgreich zu gestalten. Hier geht's zur Webseite vom Vereinbarkeits LAB. Die Facebook-Gruppe für Homeoffice mit Kind startet am Montag, den 16.03.2020.