Das homogene Leopoldina-Gremium wirft die Frage auf: Was sind gute Teams?

Die Deutsche Akademie der Wissenschaft „Leopoldina“ berät die Bundesregierung während der Pandemie bezüglich der schrittweisen Rückkehr in die Normalität. Im 26-köpfigen Expert*innenrat befanden sich nur zwei Frauen, der Durchschnitt lag bei über 60 Jahren. Nele Kreyßig ist Autorin, Unternehmerin und arbeitet als Business Coach an ihrem Herzensthema „New Leadership“. Im Interview erklärt sie, warum homogene Teams nicht so erfolgreich sind, was ein Mini Me-Effekt ist und warum man Querdenker*innen aushalten sollte.

Liebe Nele, das Gremium von „Leopoldina“ wirkt sehr homogen: männlich, weiß, um die 60 Jahre. Aus Deiner Erfahrung: Wie könnte so eine einseitige Besetzung zustande gekommen sein?

Ich kenne es aus der Wirtschaft, dass in Bezug auf Besetzung von Stellen oder Teamzusammensetzung, die Verantwortlichen, sich am sichersten fühlen, wenn Sie Personen auswählen, die ihnen ähnlich sind. Das geschieht oft unbewusst. Gerade in Zeiten von Stress und Unsicherheiten (auch Angst!) erscheint es möglicherweise . als „riskant“, Menschen in Gremien zu holen, die ganz andere Einstellungen, Wertesysteme, Prioritäten und Bildungshintergründe haben. Wenn Personen am liebsten diejenigen einstellen oder besetzen, die ihnen ähneln. Dann nennt man das homosoziale Reproduktion oder Mini-Me-Effekt.

Was ist das Problem am Mini Me-Effekt?

Der Mini Me-Effekt in Teamkonstellationen mündet in einem uniformen und homogenen Team, in dem alle ähnlich denken und ebenso handeln. Es gibt somit wenig Konflikte und Debatten und auch keine kreative (Reibungs-)Energie, die man nutzen kann. Außerdem fehlen diverse Ansichten, die in die finalen Entscheidungen eingebunden werden können. Die alte Weisheit „gleich und gleich gesellt sich gern“ widerspricht somit einer hohen Team-Performance. Homogene Teams sind möglicherweise leichter zu organisieren, allerdings vernachlässigen sie unterschiedliche Perspektiven als Kernressource und handeln oftmals viel zu einseitig.

Tina Molin
Denise Siegel
Tina Molin ist Mitgründerin und Chefredakteurin von OW up!

Über die Autorin

Tina Molin

Arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und hat sich schon mit vielen spannenden Themen beschäftigt. 1996 schrieb sie in Hamburg bereits über Techno, Tracks und DJs. Ab 2000 verfolgte sie für PRINZ das pulsierende Berliner Nachtleben. Später interviewte sie für BUNTE Prominente von Hugh Jackman bis Lady Gaga. Dann wurde sie Mutter – und plötzlich war die Lust weg. Daraus folgte der Blog Happy Vagina und das Interesse für weibliche Sexualität. Als Gründerin und Chefredakteurin von OW up! möchte sie Frauen inspirieren und motivieren, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.